



Knapp 15 gut gelaunte Herbstwanderer aus Tschechien und Deutschland - übrigens auch zwei lauffreudige Hunde -
fanden sich am Samstag, dem 16. September früh am Bahnhof
von Franzensbad (Františkovy Lázně) ein - die Sonne schien und es sollte ein strahlender und dabei nochmal ziemlich warmer Tag werden.
Zehn Jahre nach der ersten Herbstwanderung von Dialog mit Böhmen e.V. im Jahr 2013 konnte hier und da auch mal zurückgeschaut werden auf
das Erlebte und Erwanderte, und man stellte fest, dass das Grenzland auf jeden Fall vielseitig genug ist, um hier noch so manche Tour wandern zu können.
Nach einer kurzen Begrüßung übernahm Štěpán Karel Odstrčil
und stieg mit einigen Worten zur Geschichte der weltberühmten Kurstadt ein, dann schlug die Gruppe
den Weg ein in Richtung Rohr (Nový Drahov), der beschaulich über eine baumbestandene Nebenstraße führte. Das kleine Dorf Rohr, das im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde,
wartet noch heute mit einem seltenen und gut erhaltenen Ensemble an Egerländer Vierseithöfen auf, die sich adrett um den Dorfteich herum verteilen.
Beim Mittagessen konnten die Gespräche vertieft werden.
Anschließend führte unser Weg nach Soos. Das gesamte Gebiet ist geprägt von fruchtbaren Böden, aber auch zahlreichen Sand-, Ton- und Lehmgruben, wobei
v.a. die großen Torfstiche von Bedeutung waren. "Die Soos" ist bereits im 16. Jahrhundert erwähnt worden. Es handelte sich um ein ca. 200 ha großes Torfgebiet
mit teilweise bis zu 6 m tiefen Torfschichten, die lange Zeit v.a. als Brennmaterial ausgebeutet wurden. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden hier jährlich
5 bis 7 Millionen Torfziegel gestochen und insbesondere nach Eger verkauft. Der südliche Teil ist reich an Gas- und Mineralquellen, weshalb Heinrich Mattoni hier
1868 ein Salzsudwerk errichtete; in den Mattoni-Betrieben fanden damals viele Menschen Arbeit. Heute ist das Naturreservat Soos ein beliebtes Ziel für Naturbegeisterte,
die die einzigartige Landschaft des Mineralmoores mit seinen sprudelnden Mofetten zu schätzen wissen.
Auf dem Weg Richtung Skalná passierten wir neben Katherinadorf (Kateřina) auch die Wüstung Dürr (Suchá), das 1930 ein Dorf mit 37 Einwohnern war.
Das Dorf wich nach 1945 - anders als viele Dorfwüstungen, deren Wiederbesiedlung nach der Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner nicht mehr
gelang oder die zu grenznah waren - den benachbarten Kaolin-Werken. Heute existiert nur noch ein Haus. Ein kurzer Zwischenstopp in Skalná diente
der Erfrischung und anschließend dem Abschied von unseren tschechischen Wanderfreunden. Die restliche Gruppe begab sich nun auf den überwiegend
waldigen Weg nach Fleißen (Plesná). Am Bahnhof war noch einmal Zeit zum Verweilen und zum Rückblick auf die fast 18 km lange Wanderung, die neben
vielen Eindrücken vielleicht auch manches müde Bein hinterlassen hatte. Der 18-Uhr-Zug brachte uns pünktlich wieder nach Plauen.
Am Samstag, dem 16.09.2023, findet unsere diesjährige Herbstwanderung statt.
Eine abwechslungsreiche Route wird uns diesmal von Franzensbad nach Fleißen führen, durch Wald und Flur, durch einladende Dörfer mit kleinen spannenden Details, die es zu besichtigen gibt.
Wir freuen uns, dass unser Vereinsmitglied Štěpán Karel Odstrčil
jüngst mit dem "Brückenbauerpreis" ausgezeichnet wurde. Als Museologe und Historiker beschäftigt er sich auf vielerlei Weise mit seiner Heimat, dem böhmischen Egerland (tschechisch Chebsko)
und hat auf diesem Gebiet schon viele bemerkenswerte und nachhaltige Spuren hinterlassen. Seit Anfang des Jahres ist er, der sich tatsächlich als "Brückenbauer"
zwischen unseren beiden Ländern betätigt, erreulicherweise auch Mitglied in unserem Verein.
Nach langer Pause freuen wir uns, wieder eine Veranstaltung des Vereins ankündigen zu können: Am Donnerstag, dem 5. Mai, möchte Sie unser Vereinsmitglied Clemens Uhlig
- zusammen mit Dr. Christian Espig, der die Moderation innehat - in die böhmischen Länder entführen und seinen kürzlich im Buchverlag König Greiz erschienenen Reiseroman vorstellen.
Die Herbstwanderung stand wieder unter dem Motto "Durch Land und Zeit" und führte dieses Jahr zum Hohen Stein/Výsoký kámen (777m) bei
Erlbach/Vogtland. Zehn Wanderfreunde trafen sich am Sonntag, dem 7. Oktober, nahe dem Grenzübergang Wernitzgrün/Luby. Erste Spuren in der
Landschaft waren die kaum noch sichtbaren, aber gut ausgeschilderten Überbleibsel des einst stattlichen "Hotels Reichsgrenze" sowie des alten Zollamtes.
Bei sonnigem Herbstwetter luden dann die Passagen des Vogtland-Panorama-Weges zu wunderbaren Fernblicken ein, und kurz vor Erlbach konnte erstmals der
auf dem Kamm thronende Hohe Stein ausgemacht werden. Im Ort lud das gemütliche Brauhaus zur Stärkung ein.
Vom Luftkurort Erlbach ging es nun durch das Skigebiet steil bergan auf den Kegelberg. Erst einmal auf der Höhe angekommen, waren es nur noch
wenige hundert Meter bis auf tschechisches Gebiet. Jenseits des Kamms grüßten die Orte Ursprung sowie Kirchberg mit seiner uralten Kirche.
Auf dem Weg zum Hohen Stein wurde noch die ehemalige Kapelle besichtigt, die dort Anfang des 19. Jahrhunderts nach einem Kirchenraub errichtet worden war.
Nach 1945 abgerissen, wird sie mittlerweile wieder durch einen würdigen Gedenkort erinnert. Da nachmittags Wolken aufzogen, hielt sich die Fernsicht
vom Hohen Stein leider in Grenzen. Bei besseren Bedingungen gibt das Panorama Blicke auf Erzgebirge, Frankenwald, Fichtelgebirge und Egerland preis.
Das Naturdenkmal ist jedoch immer einen Ausflug wert. Das Quarzit-Gestein wurde bis um 1900 abgetragen und zur Beschotterung von Straßen genutzt,
somit findet man heute nur noch Teile des einstigen Felsenmassivs vor.
Ein Abstecher nach Kirchberg/Kostelní glich einer Reise in die Vergangenheit. Bei der Lektüre der Zeilen, die Paul Apitzsch in sein Standardwerk
"Wo auf hohen Tannenspitzen" schrieb, sieht die Gegenwart des kleinen Ortes eher mager aus. Vom einst florierenden Gasthaus "Schau mal eini"
bleiben nur Erinnerungen und durch die alte Dorfschule geht heute der Wind. Allerdings laden die restaurierte Kirche aus dem 12. Jahrhundert
und der hochinteressante Friedhof, der wie eine Momentaufnahme aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anmutet, zur Besichtigung ein.
Am Sonntag, dem 07.10.2018, findet unsere diesjährige Herbstwandertung statt.
Diesmal geht es über Wernitzgrün und Erlbach zum Hohen Stein/Výsoký kámen (774 m). Geplant ist ein Abstecher nach Kirchberg/Kostelní.
Wie vielseitig unser Nachbarland Tschechien ist - und dass man, um wahre Schätze zu sehen, nicht unendlich weit in die Ferne
schweifen muss - zeigte uns die diesjährige Exkursion in die Region um Tachov (dt. Tachau, Region Pilsen). 12 gut gelaunte
Teilnehmer machten sich am gestrigen Sonntagmorgen in Greiz auf den Weg und erreichten gegen 11 Uhr das Kloster Kladruby (dt. Kladrau).
Bei einer sachkundigen Führung durch die Gebäude des 900 Jahre alten, ehemaligen Benediktinerklosters konnte der Blick schweifen und
die unzähligen Details etwa der symbolträchtig ausstaffierten Klosterkirche wirken lassen. Im Zuge der Josephinischen Reformen im
Habsburgerreich wurde das Kloster 1785 aufgelöst und ging wenige Jahrzehnte später in den Besitz der Fürsten von Windisch-Graetz über,
einem österreichischen Adelsgeschlecht, das in der Region viele Spuren hinterlassen hat. Gegenstand der Führung waren außerdem
der Kreuzgang mit Figuren von Matthias Bernhard Braun, und die später durch die fürstliche Familie eingerichtete Bibliothek.
Die nächste Station war das Schloss in Svojšín (dt. Schweißing) - ein Kleinod westlich von Stříbro (dt. Mies), wo wir von einigen sehr
rührigen älteren Damen empfangen wurden, die uns die renovierten Räumlichkeiten des Landschlosses und damit nicht zuletzt auch die Früchte
der eigenen Arbeit gerne präsentierten. Das herrschaftliche Schloss war 1723 von Graf Jan Václav Příchovský erbaut worden. Gegen Ende
des 18. Jahrhunderts fiel es in den Besitz eines Ritters von Bigatto; 1812 übernahm es Karl Anton Freiherr von Juncker-Bigatto.
Bekannt ist es in Deutschland insbesondere aufgrund der Schilderungen, die Barbara von Wulffen in ihrem Erinnerungsbuch "Urnen voll Honig"
niedergeschrieben hat. Die 1936 geborene Schriftstellerin ist eine Gräfin von Podewils-Juncker-Bigatto und verbrachte ihre Kindheit in Böhmen,
von wo sie 1945 mit ihrer Familie vertrieben wurde. über viele Jahrzehnte verfiel das Schloss bzw. wurde anderweitig genutzt; seit 1990
ist das Areal im Besitz der Gemeinde, die sich heute mit Erfolg um eine Sanierung und sinnvolle Nutzung bemüht. Barbara von Wulffen
besucht regelmäßig ihre alte Heimat und verbringt einige Tage in Schweißing.
Im Sommer-Café des Schlosses kann man die Aura des sprichwörtlich wieder zum Leben erweckten Schlosses und seiner lauschigen Parkanlagen
auf sich wirken lassen, dazu plätschert der Springbrunnen. Ein Kaffee und dazu ein Stück "Marlenka" (böhmischer Honigkuchen) - perfekt!
Zum Abschluss der Exkursion ging es nach Tachau, wo wir die Reitschule von Světce besichtigten. Das verspielt anmutende Gebäude verlockt
zu einem Besuch, der auch belohnt wird. Die Mitte des 19. Jahrhunderts von Feldmarschall Alfred I. von Windisch-Graetz erbaute Reitschule
ist die größte ihrer Art in Tschechien und nach der Hofreitschule in Wien die zweitgrößte in Mitteleuropa. Bei einer schwungvoll gestalteten
Führung wurden uns Aspekte ihrer Geschichte wie auch der nach 1989 dringend notwendigen Sanierung und heutigen
Nutzung - im Sommer insb. für kulturelle Zwecke - verdeutlicht.
Im Resümee bleiben Eindrücke von echten "Perlen" der böhmischen Provinz, von Spuren einer jahrhundertelangen Geschichte, die den Besucher
einerseits begeistern, aber auch Fragen stellen, etwa was die zukünftige Nutzung angeht. Umso erfreulicher war es, zu sehen, das durchaus
auch Antworten gefunden und einmalige Kulturdenkmäler erhalten werden.

Das Vereinsjahr 2016 nahm mit dem vereinsinternen Leseabend im Februar einen literarischen Auftakt. Vereinsmitglieder stellten sich einander
ihre liebsten tschechischen Autoren oder Bücher mit Bezug zu Böhmen vor. Im Frühling führte eine Tagesexkursion ins grenznahe Kurbad Franzensbad
(Františkovy Lázně), wo neben der Stadtbesichtigung auch ein Besuch des Museums auf dem Plan stand. Im August war der Verein Kooperationspartner
der Sonderausstellung "1866 - Ein Krieg verändert Europa. Erinnerungsort Königgrätz", die im Oberen Schloss gezeigt wurde.
Einige Vereinsmitglieder beteiligten sich wieder an der EgroNet-Dampfzugsonderfahrt nach Eger (Cheb), die am 24.9.2016 stattfand.
Die Herbstwanderung "Durch Land und Zeit" stand diesmal im Zeichen einer Spurensuche um Wildstein (Skalná). Die Teilnehmer besichtigten
neben verborgenen Naturschönheiten auch eine versunkene Mühle und einen (fast) vergessenen jüdischen Friedhof.
Zu den Höhepunkten zählte sicherlich
auch die Lesung mit dem tschechischen Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Jaroslav Rudiš,
der am 9. November 2016 in der Greizer Buchhandlung "Bücherwurm" aus seinem Neuling "Nationalstrasse" las.
Mit großer Freude wurde im Verein auch die Neuigkeit begrüßt, dass der Begleitausschuss des sächsisch-tschechischen Kooperationsprogramms Intereg Va am
13. September 2016 die EU-Mittel für das Hauptprojekt "Kulturweg der Vögte" bewilligt hat und daher mit der Projektrealisierung des grenzübergreifenden
"Kulturweges der Vögte" begonnen werden konnte.
Wir freuen uns, eine Lesung mit dem tschechischen Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Jaroslav Rudiš ankündigen zu können.
Der bekannte und sympathische Autor (u.a. Bücher "Grandhotel", "Die Stille in Prag", Film "Alois Nebel") wird
am Mittwoch, dem 9. November 2016, um 19 Uhr in der Greizer Buchhandlung "Bücherwurm" aus seinem
neuen Werk "Nationalstraße" lesen.
Darin entfaltet
er den Monolog eines Prager Vorstadt-Helden der Samtenen Revolution von 1989. Längst jedoch ist
Protagonist Vandam zum Verlierer der Entwicklungen geworden - ein Schläger und Stammgast in einer Kneipe. Dort blickt er nicht nur ins Glas, sondern
auch auf das Leben und trifft Töne zwischen Melancholie und Verbitterung, wenn er erzählt und seine bizarre Weltsicht kundtut.
Ein höchst aktuelles Buch über Vorurteile, Unsicherheit und Einsamkeit. Im Anschluss wollen wir mit dem Autor ins Gespräch kommen.
Am Sonntag, dem 16.10.2016, findet unsere diesjährige Herbstwandertung statt.
Diesmal geht es in die Gegend um Skalná/Wildstein. Es warten Streiflichter aus vielen Jahrhunderten, verborgene Naturschönheiten, eine versunkene Mühle, ein (fast) vergessener jüdischer Friedhof,
ruhige Waldpfade entlang einer aufgegebenen Bahnstrecke, aber auch das geradezu aufpolierte Wildstein mit seiner alten Burg und natürlich dem dortigen Mittagessen!
Am Sonntag, dem 14.08.2016, wird um 11 Uhr die Sonderausstellung "1866 - Ein Krieg verändert Europa.
Erinnerungsort Königgrätz" eröffnet. Die Schau, die das epochale europäische Ereignis des deutsch-deutschen Krieges mit der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz (Hradec Králové) 1866
thematisiert, wird dann bis zum 23.10.2016 im Museum auf dem Oberen Schloss Greiz zu sehen sein.
Am Samstag, dem 28.05.2016 findet unsere Tagesexkursion nach Franzensbad/Františkovy Lázně statt. Geplant sind eine
Stadtbesichtigung und der Besuch des Museums mit Herrn Štěpán Karel Odstrčil, Historiker des Museums Franzensbad.
Wir freuen uns, eine Lesung mit dem tschechischen Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Jaroslav Rudiš ankündigen zu können.
Der bekannte und sympathische Autor (u.a. Bücher "Grandhotel", "Die Stille in Prag", Film "Alois Nebel") wird
am Mittwoch, dem 9. November 2016, in der Greizer Buchhandlung "Bücherwurm" aus seinem
neuen Werk "Nationalstraße" lesen.
Darin entfaltet
er den Monolog eines Prager Vorstadt-Helden der Samtenen Revolution von 1989. Längst jedoch ist
Protagonist Vandam zum Verlierer der Entwicklungen geworden - ein Schläger und Stammgast in einer Kneipe. Dort blickt er nicht nur ins Glas, sondern
auch auf das Leben und trifft Töne zwischen Melancholie und Verbitterung, wenn er erzählt und seine bizarre Weltsicht kundtut.
Ein höchst aktuelles Buch über Vorurteile, Unsicherheit und Einsamkeit. Im Anschluss wollen wir mit dem Autor ins Gespräch kommen.


